HP Praxis Relaunch

HP PRAXIS BERLIN auf der GET ENGAGED Konferenz im September

AKTIVES GESTALTEN • INSPIRATION • MUT ZU SCHEITERN

Wir freuen uns sehr, die nächste Get Engaged Konferenz mit unserem Wissen & Angebot zu bereichern.

Hier geht es um das Thema "Scheitern":

"Scheitern - Jetzt aber richtig!" ist unser Motto!

Denn: gemeinsam mit unseren Kunden & Kundinnen erfahren wir, wie aufregend spannend die eigene Reise von Krankheit, Niederlage und Schmerz zurück zu Gesundheit und Wohlbefinden ist.

Und dass es hier in keiner Sekunde um Scheitern geht, sondern vielmehr um Exkurse, Vertiefungen, Explorationen, von Makro- auf Mikroebene und wieder zurück gehen, um am Ende Fantastisches und Faszinierendes zu entdecken.

Von den vielen Erfahrungen möchten wir berichten. Unseren reichhaltigen Schatz an unkonventionellen und praktischen Methoden mit Euch teilen.

Lernt uns kennen. Besucht uns. Seid Teil von dieser lebensbejahenden Konfernez.

Hier a few news & insights aus unseren Plänen und Aktionen für den 03. - 04. September 2016 bei "Scheiternx = Erfolg?"

Ticketverkauf & mehr hier

INTERVIEWS

Sandra Kaul, Nora Wozignoj und Nadja Hapke wurden zum Thema "Scheitern" interviewt. Hier können Sie lesen, was ihre Gedanken und Erfahrungen aus der Praxis damit sind.

Nadja Hapke

Wie begegnest du dem Scheitern in deiner Praxis?

Ich praktiziere das "fröhliche Scheitern".
Das bedeutet, dass ich flexibel, humorvoll und wertschätzend daran teilnehme, die inneren und äußeren Strategien zu entdecken.
Meine Aufgabe hier ist es, den Rahmen zu schaffen, in dem es keine Inkompetenzen gibt, sondern nur Kompetenzen und Stärken.

Ein wunderbares Beispiel hierfür von Dr. Gunther Schmidt ist es, die negativen Stimmen mit positiver Gestik zu formulieren. Tanzen Sie mal mit fröhlicher Stimme „Heute war ein Scheiß-Tag, ich bin zum Scheitern verurteilt, auch heute schaffte ich mal wieder nichts als Chaos und Murks, denn ich bin ein/e Versager/in auf ganzer Linie und aus mir wird niiiiiiiie etwas!“
Trällern Sie ein richtig sonniges Lied mit diesem Text und schwingen Sie Ihre Hüften dabei.

Wie fühlen Sie sich dann?

Welche Tipps hast du aus deinem Arbeitsbereich? Gibt es eine Art Allrounder?

Was immer wieder und schnell zu einer Veränderung der Wahrnehmung hilft, sind drei Schritte:

1) Wertschätzung & Anerkennung

Das heißt, dem „Problem“ und sich erst mal alle Achtung dafür zu geben, was bis hier hin für eine Leistung erbracht wurde und dass das sicher nicht ganz einfach war. Um zu einem solchen Problem zu werden, bedarf es mehrerer Teilnehmer/innen und oder Aspekte. Liegt es auf physischer Ebene, bekommt jeder Millimeter oder jedes Organ seine eigene Existenzberechtigung und ich anerkenne das bisher Geleistete. So gehe ich auch mit inneren Sätzen um.

2) Dialog & Mediation

Alle wesentlichen Aspekte werden erfragt und interviewt. Manchmal wissen diese nichts voneinander, manchmal bekämpfen sie sich aufgrund von Missverständnissen.
Und man wird fremdgesteuert, in Handeln und Wahrnehmung.
Dies decken wir gemeinsam auf und finden verbindende Werte und Bedürfnisse.

Durch diese Enthüllungen kann es durchaus auch mal emotional werden, und zwar in beide Richtungen, humorvoll und traurig. Nicht selten fangen wir an, über uns zu lachen. Und das entspannt.

3) Zurück zum Spielplatz

Nichts ist schöner, als die Freiheit zu spielen, zu lachen und Spaß zu haben.
Nach dem die ersten beiden Schritte genügend Beachtung bekommen haben, werden Binnenkoalitionen geschaffen, die das weitere Handeln/Fühlen/Denken für die nächsten Schritte erheitern und ermächtigen. An dieser Stelle kann das Drehbuch neu geschrieben, die Strategien neu aufgestellt und/oder das Ziel auf neue Weise anvisiert werden. Wichtig ist hier die Freude am Probieren. "Lustvolles Entdecken weiterer Möglichkeiten" nenne ich das auch gern. Vielleicht ist das Wort „Ergebnis-Offenheit“ für den ein oder anderen zu vage, doch spätestens wenn in Ihnen diese Offenheit erreicht ist, wissen Sie, dass Sie optimal abgestimmt „READY“ sind. 

Was empfiehlst Du ganz persönlich?

Ich empfehle Humor.

Es ist unlängst wissenschaftlich erwiesen, dass „Problemkauerei“ dem Gehirn nichts Gutes tut. Selbst schwere Gefühle und Erlebnisse können mit einer Prise Humor viel leichter gefühlt und integriert werden.

Vielleicht hilft dieses nicht ganz unbekannte Spiel:

Denken Sie sich, Sie seien 99 Jahre alt und sitzen ohne (inzwischen eigene) Zähne und mit leicht zittrigem Körper auf einem Sonnenstuhl am Meer (das Zittern könnte auch an der Vibration des Massage-Sonnenstuhls liegen), wo Sie ein wunderbares Getränk (vielleicht ein Cocktail oder Ihren Lieblingstee) und den Ausblick genießen. Sie zittern-schwingen-sitzen da so rum, es gibt nichts zu tun, es ist für alles gesorgt, Sie haben Ruhe. Und plötzlich (wie das manchmal so ist mit unseren Gedanken), auch im Alter) blicken Sie auf sich und Ihr damaliges Scheitern zurück.

Was denken Sie? 
Was fühlen Sie?

Sandra Kaul

Sandra, Du bist systemische Coach und hast bei jeder Fragestellung auch immer das gesamt Umfeld, also die „Systeme“ in denen Deine Coachees leben, im Blick. Sind beim Scheitern auch die anderen Schuld?

Die Frage nach Schuld stellt sich mir erst gar nicht. Jeder ist für sein Handeln und seine Taten selbst verantwortlich, dennoch kann es auch äußere Umstände geben, die ein gewünschtes Ziel vereiteln. Das können so greifbare Dinge wie Geldmangel sein oder aber auch die Möglichkeit,in einem Umfeld zu arbeiten, dass wirklich fruchtbar ist.
Ich hatte einen Coachee in meiner Praxis, der eine Idee für eine neue App im Automobilsektor hatte, doch leider ist die Entwicklung erst einmal ins Stocken geraten. Mein Coachee war im Rahmen seines Arbeitsumfelds – einem großen deutschen Automobilhersteller - nicht in der Lage, seine Idee wachsen zu lassen und wurde sogar eher dafür angefeindet - nach dem Motto: „Wer braucht schon so einen Kram.“
Das ist natürlich hart, vor allem, wenn der Arbeitgeber „Innovation“ als seinen stärksten Markenwert definiert. Trotzdem ist die App auf den Markt gekommen. Mein Coachee hat es geschafft. Wie? Indem er das Umfeld seiner Arbeit änderte und seine Idee einem anderen Autokonzern anbot. Die hatten sofort Lust, sodass er die App in Windeseile umsetzen konnte und richtig viel Erfolg hatte. Mein Coachee hat also das Setting und sein Umfeld verändert, um erfolgreich zu sein. Was sich im Nachgang so leicht anhört, hat meinen Coachee viel Überwindung und Mühe gekostet. Aber auch das haben wir in unserer Zusammenarbeit gut in den Griff bekommen, indem ich ihm geholfen habe, die Perspektive auf seine Herausforderung zu wechseln, damit er neue Möglichkeiten sehen konnte.

Wer auf „Nummer sicher“ geht, der kann nicht scheitern, oder?

Wer auf „Nummer sicher“ geht, sollte wissen, woher diese Redewendung kommt: Aus dem Gefängnis. Dort sind die Zellen nummeriert. Wer dort eingesperrt ist, sitzt sicher. Ich würde ja sagen: Wer dort eingesperrt ist, ist schon längst gescheitert, weiß es aber vielleicht noch nicht. Sicher gehen zu wollen bedeutet ja immer auch, Unsicherheiten zu minimieren. Wer heute schon wissen will, was morgen sein wird, lernt die Chancen der Unsicherheit nicht kennen und bleibt sicher. So sicher wie man eben nur in einer Gefängniszelle sein kann.

Du arbeitest unter anderem mit Gründerinnen und Gründern sowie Leuten aus der Kreativwirtschaft. Beide Bereiche scheinen besonders anfällig für das Thema Scheitern zu sein. Stimmt das und wenn ja, wie zeigt sich das?

Ob Gründerinnen und Gründer oder Kreative mehr scheitern als andere, kann ich gar nicht sagen. Fakt ist: In beiden Bereichen müssen sich die Menschen immer ein bisschen mehr wagen, als vielleicht in anderen Berufen. Sie entwickeln innovative Ideen, pitchen diese vor Investoren und Kunden, verteidigen ihre Vorgehensweise und so weiter. Dabei stelle ich in meinen Coachings immer wieder fest: Wer viel macht und viel wagt, kann natürlich schneller auf die Nase fallen. Die Frage ist nur: Was macht die- oder derjenige aus einer Bruchlandung? Sich verkriechen oder anders weitermachen?
Virginia Satir, die sogenannte „Mutter der Familientheraphie“ und Vorreiterin der systemischen Arbeit, hat das ganz treffend zusammengefasst: „Das Leben ist nicht so, wie es sein sollte. Es ist so, wie es ist. Wie man damit umgeht, macht den Unterschied.“ – und genau deshalb arbeite ich so gerne mit Gründerinnen, Gründern und Kreativen. Sie sind es gewohnt, flexibel zu bleiben und immer wieder neue Lösungen und Ansätze zu entwickeln.

Nora Wozignoj

Nora, du gibst Massagen und Coachings.
Wie begegnet dir das Thema Scheitern bei deinen Klienten?

Die Erfahrung mit den Menschen, die ich beim Massieren und/ oder Coachen zum Thema „Scheitern“ gemacht habe, sind ganz unterschiedlich.
Es kommen Menschen die einfach nur reden wollen, die dadurch das Gefühl haben, sich durch das „sinnlose daher Gerede“ gedanklich zu ordnen. Menschen, die konkrete Vorstellungen von sich und/oder ihrer gescheiterten Zielen haben. Und ebenso Menschen, die sich „ausgelaugt“ fühlen von der ganzen Arbeit, die in ihr Projekt gesteckt wurde, das dann doch nicht so erfolgreich war, und ihren „Fokus verloren“ haben.
Wie arbeitest du mit Menschen, die mit einem Misserfolg zu dir kommen?

Beide Anwendungen, Massage und Coaching, können, je nach Wunsch und Bedarf des Klienten, kombiniert werden, um eine Verarbeitung auf ganzheitlicher Ebene möglich zu machen.

Die Massage als Entspannungs- und Verarbeitungstechnik, den Körper wieder zur Ruhe kommen zu lassen, den Stress, der eben durch das „Scheitern“ entstanden ist, einfach loszulassen, zu entspannen, ist ein wundervolles Mittel. Von dem Punkt der Entspannung ausgehend, fällt es leichter, einen vielleicht sogar positiven Aspekt dieses Erlebnisses wahrzunehmen.

Wie hilfst du deinen Klienten, nach dem Schock des Scheiterns wieder auf die Beine zu kommen?

Jetzt kommt das Coaching ins Spiel, in dem auf die Massage aufgebaut wird. Durch verschiedene Techniken herauszufinden: "Was hat mir genutzt? Was durfte ich daraus lernen? Was kann ich beim nächsten Mal anderes machen? Wie stehe ich überhaupt zu diesem Thema? Wie geht es weiter"

Du bist auch Kinder- und Jugendcoach und greifst auf eine weitreichende Expertise als Pädagogin zuück. Scheitern Kinder und Jugendliche anders als Erwachsene? Was können wir davon lernen?

Insbesondere Kinder gehen meiner Meinung nach mit dem Thema „Scheitern“ auf eine sehr konstruktive Art und Weise um. Es existiert nicht!
Und dabei braucht das Kind nicht mal die „Hilfe“ vom Erwachsenen, denn es probiert aus, untersucht, ist neugierig und holt sich im Idealfall Unterstützung, ob von einem anderen Kind oder von einem Erwachsenen.
Die Wertung von dem, was da passiert und ob etwas „gut“ oder „schlecht“ ist, lernen die Kinder beim Heranwachsen von ihrer Umwelt. Kinder lernen einfach wie etwas funktioniert, was gegebenenfalls verändert werden muss, damit es funktioniert und was nicht funktioniert.

Bei Jugendlichen, die ja an sich schon die verschiedensten Herausforderungen haben, sieht es unter Umständen etwas anders aus. Sie haben vielleicht gelernt, das es schlecht ist, Fehler zu machen und zu „scheitern“. Die Neugierde und Selbstverständlichkeit, Dinge auszuprobieren, geht oft in der Konditionierung der Erwachsenenwelt verloren.

Und das ist es auch, was wir von den Kindern wieder lernen dürfen:
die Neugierde und auch eine Art von Unbeschwertheit, auszuprobieren.